Von Freunden und Feinden

Wir sehen etwas Unrechtes, man berichtet uns von etwas Niederträchtigem, man zeigt uns den Feind. Wir solidarisieren uns spontan, schreiten ein und engagieren uns für das vermeintlich Gute. Doch vele Dinge sind anders als sie auf den ersten Blick erscheinen und manche Solidaritätsbekundung ist bei genauerem Hinsehen dumm und billig.

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Bevor wir uns unseren Gefühlen hingeben und voller Inbrunst zur Tat schreiten, bevor wir uns instrumentalisieren lassen, uns empört distanzieren und angeekelt mit dem Finger auf andere Leute zeigen, sollten wir uns unbedingt einige Fragen beantworten:

  • Ist, was wir sehen, das ganze Bild? Viele Darstellungen sind einseitig.
  • Ist das Bild scharf und klar? Oder ist es nur eine geschickt manipulierte Emotion?
  • Verstehen wir die Zusammenhänge richtig?
  • Haben wir eine sichere und realistische Lösung für das Problem?
  • Wissen wir, was wir konkret tun müssen, um die Situation nachhaltig besser zu machen?
  • Ist die Situation im Falle unseres Erfolgs für alle Beteiligten wirklich besser?
  • Geht es uns wirklich um die Sache? (Oder dient sie uns vielleicht nur als Mittel zu einem selbstsüchtigen Zweck, zum Beispiel dem Abbau von Frust? Ist es eine persönliche Ersatzhandlung?)
  • Sind wir sicher, dass kein unrealistischer Wunsch Vater unserer Gedanken ist?

Gespräche und Wahrheit

Als Kind bekommt man gesagt, man solle ehrlich sein und nicht lügen. Was halten es eigentlich die Erwachsenen in ihren Gesprächen mit der Wahrheit?

Das hängt zunächst einmal von der Art des Gespräches ab. Beim Smalltalk geht es einfach um Kontakt, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Gefallen, Übereinstimmung, Zustimmung, Spaß, Zeitvertreib und Unterhaltung. Es werden unverfängliche, Konsens versprechende Themen wie das Wetter oder die aktuellen Nachrichten gewählt. Dabei sind die genannten Motive wichtiger als der Wahrheitsgehalt des Gesagten.

Bei einer Verhandlung versucht man das Gebotene ins beste Licht zu rücken und den Partner davon zu überzeugen. Dabei geht man strategisch vor und ist nur so wahrheitsgetreu, wie es zum Erreichen des erstrebten Verhandlungsziels nützlich erscheint.

Bei einem seriösen Fachgespräch ohne Hintergedanken werden überprüfbare Argumente und Indizien vorgebracht. Hier nimmt man es mit der Wahrheit am genauesten.

Man kennt sich nur in wenigen Gebieten wirklich gut aus. Dennoch hat man zu beinahe allem und jedem eine Meinung. Diese kann beliebig unbegründet oder falsch sein, was in einem Smalltalk nicht so wichtig, in einer Verhandlung potentiell schädlich und in einem seriösen Fachgespräch disqualifizierend ist.

Worte sind für vieles gut. Wollen wir mit Worten beeindrucken, uns wichtig machen, beachtet werden? Wollen wir etwas Sachliches mitteilen, helfen, Nähe schaffen, abgrenzen, abschrecken, verleumden, verletzen, gefallen, nett sein, quälen, ablenken, beruhigen, provozieren, erklären, begeistern, bloß nicht auffallen, unseren Willen durchsetzen, uns amüsieren, uns schützen, jemanden in die Irre führen, ausbeuten, trösten, uns einfach aussprechen, Dinge loswerden, schockieren, Angst verbreiten, uns versichern, verbünden, uns ablenken, den anderen besinnungslos reden, uns verbal übergeben?

Und was will der Hörer? Will er informiert werden, verstehen, sich bestätigt fühlen, ablenken, schmeicheln, unterhalten werden, höflich sein, die Wahrheit erfahren, aushorchen, vertröstet werden, nett angesprochen werden, Zuwendung bekommen, seine Ruhe haben, Unwahrheiten und Schwächen entdecken, bewundern? Will er sich aufregen, böse werden? Sucht er Aufmerksamkeit oder Streit?

Es ist nicht immer leicht, die Absichten des Gesprächspartners zu erkennen. Hunde können nicht lügen, Schimpansen und Paviane hingegen schon, zwar nicht verbal, aber durch ihr Verhalten. Wir Menschen sind ab einem gewissen Alter wahre Meister im Lügen. Wir belügen uns selbst und andere nach Strich und Faden, durch Worte, Mimik, Gestik und Verhalten. Wir hören lieber eine nette Lüge als eine unerfreuliche Wahrheit, wir machen uns und anderen etwas vor. Wir hinterfragen viele wichtige Dinge nicht, weil wir die Wahrheit lieber gar nicht wissen wollen oder weil wir das einfach anstrengend finden.

Gelogen wird, um Vorteile zu erlangen, aus Not, Scham, Freundlichkeit, Angst oder aus Spaß, Überheblichkeit, Grausamkeit. Es gibt harmlose, sogar gnädige Lügen, andere Lügen hingegen sind heimtückisch und bösartig (z. B. Üble Nachrede, Verleumdung, Falschaussagen).

Politiker werden gewählt, wenn sie sagen, was die Wähler hören wollen, auch wenn sie dabei unverbindlich bleiben oder gar offensichtlich lügen. Auch von Ärzten möchte man nicht immer die Wahrheit hören. Überbringer unangenehmer Wahrheiten machen sich schon mal unbeliebt und müssen als Blitzableiter und Sündenbock herhalten. Schmeicheleien hingegen sind oft selbst dann willkommen, wenn sie unaufrichtig sind.

Die Höflichkeit (Taktgefühl oder Diplomatie) gebietet, das eine zu sagen, selbst wenn das andere gemeint ist. Lüge und Täuschung gehören zur normalen Kommunikation.

Ehrlichkeit macht auch angreifbar, Lügen hingegen verschaffen durchaus Vorteile.

Der Überlegene kann folgenlos lügen, dem Unterlegenen drohen dafür, wie auch für das unaufgeforderte Aussprechen von unerwünschten Wahrheiten, empfindliche Strafen. Unterlegene werden zu Heuchlern gemacht. Ehrgeizige machen sich auch selbst dazu.

Menschen kommen mit Lügen zurecht, aber zu viele Lügen zerstören den sozialen Zusammenhalt. Ohne Aufrichtigkeit gibt es keine Klarheit. Aufrichtigkeit ist gesund, macht authentisch, man ist mit sich selbst im Einklang und daher stark.

Unaufrichtigkeit kann eine Gnade sein, wenn die Wahrheit unerträglich ist.

Viele Sachverhalte lassen sich ganz unterschiedlich formulieren. Man kann

  • „auf Gefahren aufmerksam machen“ oder „Ängste schüren“
  • „sorgfältig abwägend“ oder „entscheidungsunfähig“ sein
  • „rhetorisch geschickt“ oder „demagogisch“ sein
  • „aufgeklärt religionskritisch“ oder „rassistisch religionsfeindlich“ sein
  • „entschieden gegen Rassismus vorgehen“ oder „Zwietracht sähen und Andersdenkende diffamieren“
  • „mitfühlend und hilfsbereit“ oder „naiv und verantwortungslos“ sein
  • „ein engagiertes Vorbild“ oder „ein oberflächlicher Schaumschläger“ sein
  • ein „mutiger Abenteurer“ oder ein „gefährlicher Hasardeur“ sein
  • ein „bewundernswerter Mensch“ oder ein „geltungssüchtiger Angeber“ sein
  • „Kriegstreiber“ oder „Kriegsheld“ sein
  • jemanden „beschützen“ oder jemanden „seiner Freiheit berauben“
  • ein „Individualist“ oder ein „verschrobener Einzelgänger“ sein
  • jemanden „befreien“ oder jemanden „der Schutzlosigkeit preisgeben“
  • Menschen „inspirieren“ oder „verführen“
  • „Verbrecher überführen“ oder „einen Krieg gegen den Terrorismus anzetteln“
  • „ein Problem haben“ oder „einer Herausforderung begegnen“

Welche Formulierung kommt der Wahrheit jeweils näher?

Bildung

Alle Kinder bringen zwei Gaben mit auf die Welt: Die Neugier und die Phantasie. 

Menschen lernen aus Neugier und Freude, weil sie jemandem gefallen möchten, später aus Interesse, Engagement, um Ziele zu erreichen oder weil sie hoffen, belohnt zu werden oder fürchten, sonst Nachteile zu erleiden. Durch Erfolgserlebnisse motiviert können sie schon in jüngeren Jahren Durststrecken wegstecken und verfolgen immer langfristigere Ziele.

Kinder sind von Natur aus lernbegeistert. Das kann man in jedem Kindergarten und auch noch in der Grundschule beobachten. Aber weder haben alle Kinder die gleichen Anlagen und Talente, noch –  und das ist noch wichtiger – werden alle Kinder gleich gut gefördert. Daher sind Kinder schon mit 3 Jahren sehr unterschiedlich selbstständig und ihre ursprüngliche Lernbegeisterung hat mitunter schon nachgelassen. Da beim Lernen alles aufeinander aufbaut, verstärken sich diese Unterschiede dann im Laufe der Kindergarten- und Schulzeit.

Die Freude am Lernen hängt ab vom persönlichen Erfolg durch Lernen. Diesen Erfolg können Eltern fördern, indem sie dem Kind Geduld entgegenbringen, während es sich, vielleicht zunächst noch ungeschickt, um den Erfolg bemüht. Kinder möchten auf eigenen Beinen stehen und es hilft ihnen, wenn man ihnen etwas zutraut. Gute Eltern werden ihre Kinder ermutigen, sie nicht zu sehr materiell verwöhnen und ihnen etwas zumuten, ohne sie zu überfordern. Sie halten Alkohol, Drogen, Werbung, Filme und Computerspiele von ihnen fern, damit sie nicht von wichtigeren Erfahrungen abgehalten oder gar süchtig werden.

Kleinstkinder brauchen verlässliche Bindung und ein geschütztes, überschaubares Umfeld. Sie benötigen stabile Rhythmen und Strukturen. Sie sind angewiesen auf eigene Erfahrungen mit echten Gegenständen und Lebewesen. Sie brauchen Unterstützung und Schutz, erst im Alter von 3 Jahren sind sie fähig, in größeren Gruppen selbständig so zu interagieren, dass sie davon profitieren.

Schule hat einen Bildungs- und einen Erziehungsauftrag, unter anderem soll sie Wissen vermitteln. Leider sind sich Erzieher und Lehrer in vielen Einrichtungen nicht einig, was richtige Erziehung und Bildung ist. Idealisten unterstellen Pragmatikern, keine Ideale zu haben oder sie zu verraten, Pragmatiker halten Idealisten für weltfremd und unprofessionell. Gespräche über gute Erziehung verlaufen hoch emotional und undifferenziert.

Lernen ist mehr als nur Informationen aufschnappen, es bedeutet auch Verständnis zu entwickeln und Fertigkeiten einzuüben. Übung macht den Meister, gerechte Belohnung, verdiente Anerkennung und konstruktive Kritik von vertrauten und geachteten Personen, besonders aber der Lernerfolg selbst, motivieren zu Leistungen. Fertigkeiten und Verständnis erfordern Beständigkeit, Konzentration und Fleiß, aber auch Erholungsphasen und ablenkungsfreie Räume.

Allgegenwärtige Kommunikationsgeräte, mit aggressive Werbung, packende Filmen, Serien und Spiele setzen enorme Ablenkungsreize, denen junge Menschen kaum widerstehen können. So kommen ihre eigenen Bewegungen, körperliche und mentale, weitgehend zum Erliegen und ihr Schlafmangel verhindert nachhaltiges Lernen.

Die schulischen Lernthemen oder modern gesagt die zu vermittelnden Kompetenzen leuchten den Schülern nicht immer unmittelbar ein, genauso wenig die Notwendigkeit, Dinge zu lernen, die in ihrem Alltag (noch) nicht gebraucht werden. Deshalb war schon immer eine gewisse Überredungskunst zum fleißigen Üben nötig. Wenn man aber die gute Note oder den Abschluss mit Tricks und Mogelei erreichen kann, bricht die Motivation zum fleißigen Üben schnell weg.

„Der Ehrliche ist der Dumme“, so ein bekannter Buchtitel, „Sei schlau und stell Dich dumm“ ein anderer. In Computerspielen ist Mogeln (cheating) Teil des Spiels.

Lesen, Schreiben und Rechnen sind nicht nur grundlegende Fertigkeiten zur Erschließung des kulturellen Wissens. Rechtschreibung, Kopfrechnen, Textverständnis und Textwiedergabe sind Schlüsselqualifikationen, durch deren sorgfältigen Erwerb die jungen Menschen logisches Denken, Verständnis und einen Blick für das Wesentliche entwickeln. Denn was nutzen Suchmaschinen, wenn man die Suchergebnisse nicht bewerten kann? Was nutzt der Taschenrechner, wenn man der Anzeige blind vertrauen muss, weil man das Ergebnis nicht abschätzen kann? Was nutzt alles Wissen, wenn man es nicht in Worte fassen und anwenden kann?

Leider nimmt die Anzahl der Kinder „mit Förderbedarf in den Bereichen sozial-emotionale Entwicklung, Sprechen oder Lernen“ zu. So wünschenswert, sinnvoll, machbar und überfällig die Inklusion von Kindern in den Förderschwerpunkten körperliche und motorische Entwicklung, Hören und Sehen ist, um Berührungsängste abzubauen und diese Menschen teilhaben zu lassen, so kontraproduktiv ist die Inklusion der lernschwachen und verhaltensauffälligen Kinder. Sie machen inzwischen drei Viertel der Förderbedürftigen aus. Ihre Inklusion in die Klassen führt dazu, dass es bald in jeder Lerngruppe fortwährend Störungen gibt, die das Lernen aller Gruppenmitglieder erheblich behindern. So erreicht man vor allem eines, nämlich dass alle Schüler schlechter gefördert werdenBildungsferne, sprachlich, sozial und emotional bisher eher schlecht geförderte Schüler profitieren nicht von besseren Mitschülern. Sie werden durch sie noch mehr demotiviert oder finden in ihnen bestenfalls wehrlose Opfer für ihre „Späße“. Lernwillige und ihrem Alter entsprechend reife Schüler werden durch lernbehinderte, sprachlich, sozial und emotional unreife Schüler in der Klasse durch fortwährende Störungen des Unterrichts am Lernen gehindert. Die schwierige Umsetzung der schlecht durchdachten Inklusion und der Streit darum lenken von der eigentlichen Frage ab: Wo liegen die Ursachen für die um sich greifenden Schwächen in den Bereichen sozial-emotionale Entwicklung, Lernen und Sprache?

Leider lässt sich mit Waren und Dienstleistungen zur Symptomverschiebung und -unterdrückung leichter Geld machen als mit der Behebung von Ursachen. Genau wie im Gesundheitswesen setzt die unsichtbare Hand des Marktes auch im Erziehungs- und Bildungswesen völlig falsche Anreize.

Computer für Schüler im Unterricht sind – abgesehen von Ausnahmen wie dem Erlernen des Umgangs mit einem Anwendungsprogramm in der beruflichen Bildung (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Buchhaltung, CAD, usw.) oder der Ausbildung von IT-Fachkräften, Gestaltern, Mechatronikern, usw. – völlig kontraproduktiv. Computer lenken durch Unterhaltungs- und Marketinginhalte ab und demotivieren durch ihre Überlegenheit in Sachen Schnelligkeit und lexikalischem Faktenwissen. Sie wurden einst geschaffen, um den Menschen arbeitsintensive Routineaufgaben abzunehmen. Lernen aber ist selbstständiges wiederholtes Üben, Begreifen, Verstehen und Anwenden, eben das Entwickeln von Routine.

Zwar gibt es Computerprogramme, die Lernen tatsächlich unterstützen, aber sie können ihre Wirkung meist nicht entfalten, weil sie in den mitgelieferten Ablenkungen untergehen. Computer taugen als Lernhilfe nur für Menschen, die bereits über eine solide Grundbildung verfügen und von sich aus stark zum Lernen motiviert sind, was nur auf etwa 15-20 Prozent junger Erwachsener zutrifft. Die Abbrecherquote in Fernstudiengängen liegt in Deutschland bei durchschnittlich 92 Prozent.

Einige alte Weisheiten zum Thema

  • Was man jung gelernt, das bleibt.
  • Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
  • Sinnvoll beschäftigte Kinder sind liebe Kinder.
  • Ohne Fleiß keinen Preis.
  • Übung macht den Meister.
  • Lehrjahre sind keine Herrenjahre.
  • Von nichts kommt nichts.
  • Man erntet, was man sät.
  • Wer nichts weiß, muss alles glauben.
  • Das Wissen um etwas ist noch lange nicht das Handeln danach.
  • Lernen, ohne zu denken ist verschwendete Zeit. Denken, ohne zu lernen, ist gefährlich. (Konfuzius 2:15)
  • Ist man in kleinen Dingen nicht geduldig, bringt man große Vorhaben zum Scheitern (Konfuzius 15:26)

Einige neuere wissenschaftliche Erkenntnisse

  • Lernen heißt: Spuren im Gehirn legen, in Neuronen einprägen, wodurch sich diese sichtbar verändern: Lernen ist ein physischer Prozess, mit Zeitfenstern für das Erlernen bestimmter grundlegender Fähigkeiten, von einfachen zu differenzierten Zusammenhängen.
  • Durch Erfahrungen werden entsprechende Synapsen gestärkt und andere verkümmern.
  • Die Lernfähigkeit ist zu Beginn des Lebens am größten. Im Alter von fünf Jahren ist sie auf die Hälfte gesunken.
  • Zunächst wird Konkretes gelernt, das später auch als notwendige Grundlage (Metapher) für Abstraktes dient. Abstraktes Denken setzt also konkrete und greifbare Erfahrungen voraus.
  • Lernprozesse bauen aufeinander auf. Wer keine Regale hat, kann nichts einsortieren.
  • Im Schlaf wird über Tag Erfahrenes geordnet, verknüpft und so nachhaltig gespeichert. Anders gesagt: Schlafmangel verhindert nachhaltiges Lernen.
  • Langjährige Gewohnheiten im Denken, Fühlen und Handeln sind nicht oder nur mit viel Mühe zu ändern.
  • Der Lernerfolg nimmt zu mit der Anzahl der Wiederholungen, der Bedeutung, dem emotionalen Gewicht und der Menge an vorhandenen Assoziationen.
  • Bewegung unterstützt das Lernen. Erst kommt die Bewegung, dann das Denken.
  • Information ist noch keine Bildung.
  • Wer irgendein persönliches Ziel (etwas zu wissen, zu können oder zu haben) engagiert verfolgt, lernt insgesamt besser.
  • Wer Erfolge hat, lernt engagierter: Erfolg beim Lernen macht glücklich.
  • Wem etwas zugetraut wird, der schafft mehr.
  • Wer sich Mühe gibt, der wird besser.
  • Die erste Stunde des Tages prägt den Tag.
  • Musizieren fördert allgemein die Lernfähigkeit.
  • Zuviel Fernsehen und Computer machen sprachlos und unbeweglich und beeinträchtigen die körperliche, emotionale und geistige Entwicklung von Kindern unter 10 Jahren erheblich, völlig unabhängig vom gezeigten Inhalt.
  • Mit Bildschirmen beschäftige kleine Kinder entbehren Erfahrungen in der realen Welt der Personen und Dinge, sie verlieren ihre Kreativität und entwickeln ihre mentalen, körperlichen und emotionalen Kompetenzen nur mangelhaft. Das aggressive Heischen um Aufmerksamkeit in unserer bildschirmüberfluteten durchkommerzialisierten Zivilisation unterdrückt selbstgesteuerte konstruktive Erfahrungen, die unerlässlich für erfolgreiche Bildung sind.

Wesentliches

Jeder von uns steht irgendwo, mit seiner Geschichte, mit seinen Wünschen, Hoffnungen und Absichten, mit seinen Ängsten und Lähmungen. Den Blick fest auf die Menschen, Bedürfnisse, Pflichten und Vergnügungen gerichtet, die uns umgeben, die wir in uns tragen, die wir uns ausgesucht haben oder die uns zugeflogen sind. Wir sind verstrickt in viele Abhängigkeiten, Details und scheinbare Zwänge. Wir haben ein Bild von der Welt und eine Haltung und Einstellung zu den Dingen, die uns täglich begegnen. Ob der vielen Eindrücke neigen wir dazu, das übergeordnete Ganze, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Wir nehmen das Gewöhnliche immer weniger wahr und konzentrieren uns auf die Abweichungen und Neuerungen. Wir sind vergesslich, berücksichtigen kaum unsere eigenen Erfahrungen und schon gar nicht die der früheren Generationen. Manches wollen wir nicht sehen und verdrängen es lieber.

Es ist leicht möglich, den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Was aber ist eigentlich das Wesentliche?

  1. Uns wurde das Leben geschenkt.
  2. Wir alle teilen die Sehnsucht nach Freude, Klarheit, Liebe und Frieden.
  3. Wir sind gesegnet mit Neugier und Phantasie.
  4. Wir haben einen wunderbaren Körper, der die Welt für uns erfahrbar macht.
  5. Wir leben in einer wahrlich großartigen Welt inmitten scheinbar unendlicher Weiten von Raum und Zeit, die uns ehrfürchtig machen und uns ein Gefühl der Erhabenheit vermitteln kann, wenn wir genau hinschauen.
  6. Wir können gestaltend in die Welt eingreifen, können willentlich Verantwortung für uns selbst und teilweise auch für andere übernehmen.
  7. Wir haben einen ausgeprägten Verstand, Zugriff auf sehr viele Informationen und können uns vielfältig innerhalb unserer arbeitsteiligen Gemeinschaft einbringen und verwirklichen.
  8. Wir sind umgeben von materiellem Wohlstand und Überfluss. Unsere Zivilisation bietet uns ein Umfeld, in dem wir unsere Kinder großziehen und unsere Enkel aufwachsen sehen können. Natürlich muss die Verteilung räumlich und zeitlich dringend gerechter gestaltet werden, aber es wäre töricht, den vorhandenen Überfluss zu verachten.

Es ist gut, sich diese Tatsachen täglich bewusst zu machen, bevor der Blick auf die auch vorhandenen alltäglichen Mängel, Einschränkungen und Leiden fällt.

Vernunft und Glaube

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Ein Mensch kann recht vernünftig sein – in gewissen Angelegenheiten, zu gewissen Zeiten, in gewissen Gemütsverfassungen, in gewissen Umgebungen. Eine fesselnde fantastische Geschichte interessiert ihn jedoch oft deutlich mehr als die Wahrheit. Und in Gruppen zählt die Vernunft des eingegliederten Einzelnen gar nicht mehr viel. Das Gefühl übernimmt die Führung. Überhaupt ist das Gefühl oft ausschlaggebend, nicht die Erkenntnis.

Glaube und Unvernunft können harmlos, ja sogar hilfreich sein. Glaubt man beispielsweise an die Heilkraft eines Medikaments, so vermittelt der Glaube einem das Vertrauen, das nötig ist, Krankheiten, die überwiegend psychosomatisch begründet sind, zu überwinden. Selbst ein naiver oder gar irrationaler Glaube kann auf diese Weise hilfreiche Kräfte verleihen.

Himmel

 

Was man wissen kann, braucht man nicht zu glauben. Einiges wissen wir aus eigener Erfahrung. Einiges aus Berichten vertrauenswürdiger Mitmenschen, die es wiederum selbst erfahren haben. Und wieder anderes kennen wir nur vom Hörensagen, wobei die Quelle der ursprünglichen Erfahrung, falls es sie denn gibt, nicht mehr zu ermitteln ist.

Der Mensch sucht immer nach Sinn, Antworten und Gewissheiten. Doch wie schon Georg Rollenhagen (1542-1609) sagte:

“Wer leichthin glaubt, wird leicht betrogen.”

und mit Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916):

“Wer nichts weiß, muss alles glauben.”

Vieles haben wir unreflektiert übernommen, einfach weil es alle gesagt haben. Wir sind auf diese Weise stark durch Brauchtümer, Traditionen und Kultur geprägt. Das ist durchaus auch hilfreich. Doch manche dieser Überlieferungen sind viel zu undifferenziert oder gar schlicht falsch. Sie stammen aus Zeiten, wo die meisten Menschen kaum Zugang zu Bildung und Information hatten und entsprechend leichtgläubig waren. Nicht alles, was alt ist, muss auch richtig sein. Nicht alles, was immer schon so gemacht wurde, ist auch schlau. Wie schon Buddha (563-483) sagte:

“Glaube nichts auf bloßes Hörensagen hin; glaube nicht an Überlieferungen, weil sie alt sind.”

Eigentlich müssten wir viele sogenannte Selbstverständlichkeiten kritisch überprüfen. Doch das ist mitunter enttäuschend und anstrengend dazu. Schon Gaius Julius Caesar (100-44) musste erkennen:

“Gern glauben die Menschen das, was sie wollen”

und Ludwig Marcuse (1894-1971) ergänzte:

“Denken ist eine Anstrengung, Glaube ein Komfort.”

Wir schließen uns der Weltanschauung an, in die wir hineingeboren wurden. Wir fühlen uns wohl in einer großen Gemeinschaft Gleichgesinnter. Leicht sehen wir dann unsere Anschauung in den schönsten Bildern und ordnen ihr alles andere unter. Wir verteidigen sie gegen jeden Einwand, wir verdrehen notfalls die Wahrheit, sind komplett unvernünftig und uneinsichtig, ohne es selbst zu bemerken. Wir sind umso leichtgläubiger und unvernünftiger, je früher, länger und öfter wir an Unsinn gewöhnt wurden, sei es durch religiöse und politische Dogmen, Propaganda, Nachrichten oder durch Fiktion in Erzählungen, Büchern, Filmen und Spielen.

Wir sind also umgeben von bisweilien unvernünftigen Menschen, von Gruppenzwängen und autoritären Strukturen. Da kann es freundlicher oder auch klüger sein, Nachforschungen zu unterlassen und heikle Fragen nicht zu stellen. Wenn wir starken Tabus oder fanatischen Ideologien begegnen, können wir sie um des persönlichen Vorteils oder des Friedens willen einfach auch wider besseres Wissen zumindest scheinbar akzeptieren.

In ausweglosen Situationen kann Glaube trösten. Die Wahrheit kann unerträglich sein.

Natur

Die Natur ist nahezu vollkommen und so auch ihre Organismen. Sie funktionieren optimal – in der Umgebung, für die sie sich entwickelt haben. Eine unserer Natur angemessene Lebensweise, also gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung und Ruhe, eine positive Einstellung, Geborgenheit, kombiniert mit intelligenter Nutzung unserer kulturellen und technischen Errungenschaften, ist die beste Vorbeugung gegen Krankheit, Unfälle und Naturkatastrophen.

 

Wir haben uns von der Natur entfernt. Unsere technisierte Zivilisation ist bequem, sicher und sauber. Sauberkeit, Schutz vor Ungeziefer, Heizung und Trinkwasser in jeder Wohnung, Kanalisation, Abfallentsorgung, Transportmittel, medizinische Versorgung, Feuerwehr, Unfallrettung, Nahrung und Kleidung im Überfluss, Versicherungen, Unterhaltung, …

Es gibt aber auch eine Schattenseite: Unsere Lebensweise fördert Bewegungsmangel, geistige Rastlosigkeit, Oberflächlichkeit, Leichtsinn und Naschsucht. Manche Krankheiten scheinen zufällig vom Himmel zu fallen. Die Gründe bleiben verborgen. Eine Garantie auf Gesundheit haben wir nicht und der Tod ist uns sicher.

Dennoch haben wir durchaus Einfluss. Wer raucht, übermäßig Alkohol trinkt, Drogen nimmt, regelmäßig mehr Kohlenhydrate isst als er verbraucht, riskante Sportarten betreibt oder nur rumhängt, an gefährdeten Orten wohnt, sich von Morgens bis Abends verausgabt, zu wenig schläft, ständig unter Strom steht oder Tag und Nacht am Bildschirm hängt, geht bekannte Risiken ein. Die Folgen seines Tuns sind durchaus absehbar.

Wir können zwar nicht ungestraft alles machen, was uns in den Kopf kommt, aber wir haben durchaus einen großen Gestaltungsfreiraum. Und so manche Dummheit bleibt freundlicherweise ohne Folgen.

Religion

Religion ist nach heutiger Deutung die Antwort auf das Bedürfnis des aus dem Paradies gefallenen Menschen nach einem Orientierungsrahmen und einem Subjekt oder Objekt der Hingabe, um der Angst (Drewermann), der Unausweichlichkeit des begrenzten Daseins (Fromm 1950) oder dem Dilemma der Vaterbeziehung (Freud 1913) zu begegnen. Hinter diesen Bedürfnissen liegt eine Sehnsucht nach Heimkehr, nach Vereinigung mit Allem, nach Frieden.

Religion und Glaube können Menschen Flügel verleihen. Glaube versetzt Berge, inspiriert und motiviert. Dabei spielt es keine Rolle, wie realistisch und vernünftig dieser Glaube ist – im Gegenteil. Je mehr er Wunschdenken bedient, desto größer ist seine Anziehungskraft.

 

Das dem Menschen innewohnende religiöse Bedürfnis findet in der Hingabe an das Leben selbst und in der persönliche Orientierung an Tugenden, die es für möglichst viele lebenswert machen, seine Erfüllung. Menschen erhalten Inspiration, Kraft und Frieden durch unterstützende Beziehungen und durch Befreiung von vermeintlichen Zwängen und Vorstellungen. Man entwickelt sich zum Ganzen hin, findet Trost und Zuversicht. Es geht um Vertrauen, Erkenntnis und Zugehörigkeit. Die Natur ist freundliches, wenn auch nicht harmloses, Zuhause. Das Leben ist ein Geschenk.

Religion kann ein mächtiges Erziehungsmittel und die Grundlage für das Zusammenleben einer Gesellschaft sein. Sie liefert durch Riten, Feste, Sitten und Gebräuche einen Rahmen, in dem viele Menschen miteinander auskommen und ein Zuhause haben. Insofern gibt Religion den Menschen Halt und Geborgenheit.

Menschliche Bedürfnisse werden seit Jahrtausenden für die Beherrschung vieler durch wenige genutzt. Durch Verheißung von Anerkennung, Spaß, Gesundheit und Reichtum werden die unterlegenen Menschen manipuliert. Auch die religiösen Bedürfnisse sind davon nicht ausgenommen. Sie zu missbrauchen ist besonders hinterhältig, aber auch besonders wirksam. Es geschieht durch Einbindung der Opfer in eine autoritär geführte Gruppe. Ein Führer, ein Ahne oder ein Symbol werden als Objekt der Hingabe präsentiert. Der Orientierungsrahmen besteht aus strengen Gesetzen, vorgegebenen Überzeugungen, teilweise rigiden Moralvorstellungen, insbesondere im sexuellen Bereich, und bisweilen archaischen Ritualen. Das Heil wird durch Folgschaft und gemeinsamen Kampf gegen das vermeintlich Böse gesucht. Es geht um Angst, Gehorsam und Abgrenzung. Eine angeblich grausame Natur und alle Ungläubigen müssen beherrscht werden. Die Regeln sind dogmatisch bis lebensfeindlich. Das Leben gilt als eine Prüfung, die Gerechtigkeit wird ins Jenseits verlagert.

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Eugen Drewermann – nachtstudio-Gespräch (2011)

Autoritäre Lehren geben scheinbare Sicherheit, indem sie vorgeben, was wahr ist, Gerhorsam verlangen und Kritik an der Obrigkeit unterdrücken. Sie verschaffen Zugehörigkeit für den Preis der Unterwürfigkeit, Selbstentfremdung und der Abgabe von Verantwortung. Geförderte Überlegenheitsgefühle den Ungläubigen gegenüber liefern in Krisenzeiten bequeme Feindbilder und Sündenböcke.

Die Religionen der Welt, besonders die abrahamitischen Religionen, haben neben den vordergründig lebensbejahenden, unterstützenden und inspirierenden Lehren eine sehr dunkle, autoritäre Seite, die, abhängig vom politischen Umfeld und den Akteuren, immer wieder ihre Opfer sucht.

Für die wachsende Zahl nichtreligiöser Menschen wurden in den vergangenen Jahrzehnten neue zweckdienliche Ideologien erdacht und mit religiösem Pathos über alle Kanäle und mit allen Mitteln verbreitet, wie beispielsweise der unvermeidliche Krieg gegen den internationalen Terrorismus und die baldige menschengemachte Klima-Katastrophe. Hier leben die für den Machterhalt nützlichen Vorstellungen vom Kampf des Guten gegen das Böse und von der Sündigkeit der Menschen in einem modernen Gewand weiter. Jeder, der sich schlecht fühlt und glaubt kämpfen zu müssen, findet hier eine vorgezeichnete Möglichkeit, sich mit Eifer zu betätigen.

Wie schon seit Jahrtausenden schaffen dunkle Mächte hinter den Kulissen immer wieder das Böse, um dann mit viel verlogenem Getue als Retter der Guten aufzutreten. Und wie immer schreiben die Sieger die Geschichte.

Sucht

Drogen dienen der Realitätsflucht. Egal ob mit von außen zugeführten Drogen wie Alkohol, Tabletten oder Rauschgift oder mit körpereigenen Drogen, in unnatürlich großen Dosen hervorgerufen durch Filme oder Videospiele – es ist eine Flucht in eine unwirkliche Welt.

Natürlich kann man sich als Erwachsener mal zum Spaß, zur Entspannung oder zur Ablenkung unter Drogen setzen, sollte sich dabei aber über mögliche schädliche Nebenwirkungen im Klaren sein und Vorsichtsmaßnahmen treffen, damit man nicht auf Dauer den Boden unter den Füßen verliert. Denn Drogen können süchtig machen. Sie lassen einen nicht mehr los. Das wirkt sich dann schließlich verheerend auf das echte Leben aus.

Man kann nur vermissen, was man kennt. Oder: Was man nicht kennengelernt hat, kann einen auch nicht süchtig machen. Süchtige haben die leidige Tendenz, andere für ihre Sucht begeistern zu wollen. Süchte sind ansteckend wie Infektionskrankheiten.

Kinder müssen vor Drogen geschützt werden, weil sie bei ihnen besonders verhängnisvoll wirken. Bei Alkohol und erst recht bei Rauschgiften ist das gesellschaftlicher Konsens. Bei Ritalin zur Ruhigstellung schon weniger. Die Gefahren jedoch, die von Filmen und Computerspielen (Sex & Crime, Pornografie und Gewalt) ausgehen, werden immer noch weitgehend verharmlost. Inzwischen haben wir immer mehr depressive und lebensuntüchtige Jugendliche und junge Erwachsene, die von ihren Bildschirmen nicht mehr loskommen, deren Lernerfolge gering sind, weil die fesselnden Medien sie auslaugen und ihnen den Schlaf rauben.

Kontrollierst Du das Medium oder kontrolliert das Medium Dich?

Dass Kinder sich den virtuellen Welten so stark zuwenden, liegt an der billigen Verfügbarkeit und an der elterlichen Fahrlässigkeit und auch daran, dass es in der realen Welt zu wenig Angebote und Räume für sie gibt.

Computerspiele und Filme sind von Menschen mit Gewinnabsichten gemacht. Die Inhalte, Regeln und Chancen der Spiele sind von irgendwelchen mehr oder weniger genialen Leuten willkürlich in mühsamer Kleinarbeit festgelegt worden. Die gestellten Aufgaben können theoretisch unlösbar sein oder simpel, sinnvoll oder sinnlos. In der Praxis sind sie so gestaltet, dass sie sich dem Gamer anpassen, ihn fordern, aber nicht überfordern und ihn so fesseln. Die programmierte virtuelle Welt kann die Naturgesetze berücksichtigen oder sich beliebig darüber hinweg setzen. Sie kann sich jederzeit beliebig ändern. Es ist alles Fiktion, die Energie und Aufmerksamkeit vom wirklichen Leben abzieht. Es wurde gemacht, um ein künstliches Wohlgefühl zu erzeugen, wie es Drogen auch tun.

Natürlich gibt es Filme und Computerspiele ohne Suchtpotential, auch sogar welche, die hilfreich sind. Aber die spielen beim Umsatz nur eine untergeordnete Nebenrolle. Andere Arten überwiegen: Bei den Filmen führen die Sexfilme, Abenteuer- und Actionfilme, die Genres Horror, Mystery, Supernatural, Thriller und Science Fiction. Bei den Videospielen ist es ähnlich, die Action- und Shooterspiele führen den Markt an.

Computerspiele werden entwickelt, Sex- und Actionfilme werden gemacht, um Geld damit zu verdienen. Deshalb sind sie bewusst so gestaltet, dass sie süchtig nach mehr machen. Sie vermitteln dem Zuschauer oder Spieler die Illusion, erfolgreich zu sein und versuchen gleichzeitig, sein Verlangen und Begehren zu erhalten oder gar zu verstärken. Das ist nicht so schwer, man muss nur an die dem Menschen innewohnenden Sehnsüchte und Ängste anknüpfen und seine Gefühle in Wallung bringen. Wie gut das funktioniert, sieht man darin, dass Menschen dazu gebracht werden, mit realem Geld virtuelles Geld für die virtuelle Welt kaufen, um in der virtuellen Welt virtuelle Erfolge zu haben.

Es ist schon erstaunlich, dass Menschen, die sonst so viel Wert auf ihre Autonomie legen, sich so gern den völlig willkürlichen Regeln der Filmemacher und Spieleentwickler unterordnen und sich von ihnen so abhängig machen.

Geschäftstüchtige Filmemacher und Spiele-Entwickler sind an nachhaltiger Zufriedenheit nicht interessiert. Sie wollen, dass ihre Kunden ihre Kunden bleiben.

Aus einem harmlosen Zeitvertreib kann schnell eine selbstzerstörerische Sucht werden. Dabei entstehen beim Zuschauer oder Spieler mit der Abhängigkeit auch zunehmend Realitätsverlust und Größenwahn.

Actionfilme und die entsprechenden Computerspiele befriedigen vorübergehend immer wieder dieselben archaischen Instinkte und naiven Sehnsüchte:

  • ein Held sein, jemand Besonderes sein, über einen Sexualpartner verfügen, anderen etwas voraus haben, gewinnen, siegen, mehr wissen als andere, außergewöhnlich begehrt, bewundert, bedeutungsvoll und wichtig sein, im Mittelpunkt stehen, unbesiegbar sein, reich und mächtig sein, über besondere Kräfte verfügen
  • Gewalt (im Namen des Guten) ausüben dürfen, anderen seinen Willen aufzwingen (im Namen des Guten)

Dies alles vom Sessel aus. Wann immer man will. Viele dieser Filme und Spiele haben das Potential, Menschen um ihr emotionales Gleichgewicht, ihre Intuition und um ihren Verstand zu bringen.

Von Seiten der Spielemacher hingegen werden den Computerpielen die Förderung und Entwicklung pädagogisch wertvoller Fähigkeiten zugeschrieben (Gaming can make a better world):

  • urgent optimism, das dringende Bedürfnis, Hindernisse zu überwinden, in der sicheren Gewissheit, dies auch zu schaffen
  • social fabric, die Fähigkeit, soziale Netze und stabile menschliche Beziehungen zum Erreichen gemeinsamer Ziele aufzubauen
  • blissfull productivity, produktiv und gleichzeitig glückselig zu sein (der durchschnittliche  WOW-Gamer strengt sich  22 Wochenstunden völlig freiwillig an)
  • epic meaning, wirklich bedeutungsvolle Taten zu vollbringen

So wird man laut Jane McGonigal  zu einem „super-empowered hopeful individual“ in der virtuellen Welt, womit wir bei den o. g. archaischen Instinkten und naiven Sehnsüchten angekommen wären. Wie lange diese spielinduzierte Selbstwahrnehmung wohl in der realen Welt Bestand hat? In den immer seltener werdenden Spielpausen, nach Abklingen des Hormonrausches, sind die innere Leere und die relative eigene Bedeutungslosigkeit wohl eher umso krasser. Sehr schnell fällt man auf den harten Boden der Tatsachen. Das kann sehr deprimierend sein. Oder zornig machen.

Das wirkliche Leben

Im wirklichen Leben gelten die Naturgesetze für alle und für immer. Dort wird man mit der Bewunderung, der Abneigung, dem Neid, der Zuneigung, den Launen, der Gleichgültigkeit, der Wertschätzung, der Überlegenheit, den Intrigen und Machtspielen der Mitmenschen real konfrontiert. Man hat zwar keine Superkräfte, aber man hat Talente, die man mehr oder weniger entwickelt hat, wie zum Beispiel der Umgang mit Menschen. Man verfügt über mehr oder weniger Wissen und Können, je nachdem, wieviel Übung und Disziplin man investiert hat.

Auch im wirklichen Leben kann man ein Held sein (allerdings meist ohne Aufsehen zu erregen), jemand Besonderes sein (jeder Mensch ist ein einzigartiges Wunder), einigen anderen, meist durch fleißiges Üben erworben, etwas voraus haben, außergewöhnlich begehrt, bedeutungsvoll und wichtig sein für den Einen oder die Andere, im Beruf erfolgreich sein und Bedeutendes für die Menschheit oder einige Menschen leisten, mal im Mittelpunkt stehen, siegen, vorübergehend reich und mächtig sein, über besondere Kräfte wie Geduld, Empathie und Nervenstärke verfügen, jemanden oder irgendetwas retten.

Nachhaltige Zufriedenheit kann man weder im Suff, noch mit einem Film und auch nicht im Computerspiel erlangen. Man kann sich vorübergehend damit ablenken, zu viel davon aber geht auf Kosten der Fähigkeiten in der realen Welt und macht irgendwann krank. Je früher man damit beginnt, desto verheerender sind die Folgen.

Ewiges Leben

Das Leben ist ein Wunder. Niemand kann erklären, was Leben eigentlich ist. Aber es ist offensichtlich da, umgibt uns in vielfältiger physischer Ausprägung in Form unzähliger Lebewesen. Wir beobachten, dass Lebewesen immer nur aus Lebewesen entstehen und sie sich im Laufe der Generationen zu immer höherer Komplexität entwickeln. Wir sehen, dass jedes Lebewesen nach einiger Zeit stirbt. Und offensichtlich ist jedes Lebewesen ein Unikat.

Die höchste bekannte Lebensdauer von Lebewesen ist je nach Art sehr unterschiedlich: Grannen-Kiefern 4900 Jahre, Eiben 3000, Tannen 500, Schildkröten 300, Karpfen 150, Menschen 110, Greifvögel 100, Gänse 60, Pferde 50, Tauben 45, Hunde und Katzen 25, Goldhamster 3 Jahre, Honigbiene-Arbeiterin 8 Wochen, Eintagsfliege einige Stunden.

Wenn wir vom ewigen Leben oder von Unsterblichkeit sprechen, so meinen wir gewöhnlich unser persönliches Weiterleben nach dem Tod. Wir meinen unsere metaphysische Unsterblichkeit oder Auferstehung oder Wiedergeburt. Das ist, woran wir glauben möchten, wenn wir an unseren vertrauten Lebensgeschichten, Vorlieben, Abneigungen, Absichten, Beziehungen, Ansehen, unseren materiellen und geistigen Besitztümern hängen. Dass wir eines Tages einfach nicht mehr sind, das wollen wir nicht wahrhaben.

Wir versuchen, in unseren Kindern weiterzuleben, aber unsere Kinder gehen ihre eigenen Wege. Auch unsere Werke sind vergänglich. Dass die Atome, die unseren Körper bilden, nach unserem Ableben irgendwann wieder Teile anderer Lebewesen sind, ist auch nicht tröstlich. Und die Vorstellung vom Aufgehen der Seele im All-Einen fühlt sich auch nur dann gut an, wenn wir die beglückende Erfahrung der völligen Verbundenheit schon gemacht haben, was eher selten vorkommt.

Und so glauben wir gern an unser persönliches Weiterleben. Einen großen Anteil an unserer persönlichen Identität haben unsere Körper, die sich aber erfahrungsgemäß auflösen, und unsere Erinnerungen, die, so hoffen wir, Bestand haben, obwohl wir Demenz und Alzheimer durchaus kennen.

Wir haben den Tod aus unserem Alltag verdrängt. Die Vorstellung, jeder Atemzug könnte der letzte gewesen sein, ist einfach unerträglich. Wir selbst sterben niemals heute, immer frühestens morgen. Vielleicht sterben heute andere, nicht aber wir selbst. Wir kennen niemanden, der den Tod schon hinter sich hat und darüber berichten kann. Das Ableben ist nur eine theoretische Vorstellung, keine Erfahrung. In unserer eigenen Erfahrung kennen wir bisher nur unser stetiges, fortwährendes Leben, unsere Unsterblichkeit.

Zwei Theorien vom ewigen Leben sind verbreitet, die der Auferstehung im Jenseits wie im Christentum oder Islam und die der fortwährenden Wiedergeburt bis zum Erkennen der Illusion der eigenen Identität wie im Buddhismus.

Die Auferstehungstheorie wirft einige schwer wiegende logische Probleme auf: Haben wir im Jenseits / im Himmel / nach unserer Auferstehung einen Körper? Falls ja, wie alt ist er dort und wie steht es um unsere Gesundheit? Was besitzen wir? In welcher Umgebung sind wir? Wie interagieren wir mit unseren Liebsten, wie alt sind sie, über welche Körper und Besitztümer verfügen sie? Woran erinnern sie sich? In welchem Kontext leben sie? Sind alte Meinungsverschiedenheiten vergessen? Falls ja: Sind die Personen dann überhaupt noch sie selbst? Gibt es Handlungsmöglichkeiten unabhängig vom Kontext? Kann es ewige Harmonie und ewiges Glück geben? Können Glück, Harmonie und Zufriedenheit überhaupt wahrgenommen werden, wenn es gar nichts anderes mehr gibt? Was ist mit denen, die schon zu ihren Lebzeiten ihre Erinnerungen verloren haben? Was ist mit den Menschen, von denen wir uns längst abgewendet haben? Gibt es ausgleichende Gerechtigkeit? Wie soll das gehen? Wiedergutmachung? Vergeltung?

Manche Menschen lassen ihre Körper nach dem Tod einfrieren und hoffen auf technische Wiederbelebung in ferner Zukunft. Aber sind nicht alle unsere Vorstellungen, unsere Identität nur ein Produkt unserer Aktivitäten im Kontext unserer jeweiligen Umgebung? Was sind unsere Erfahrungen in einer ganz anderen Zeit, an einem ganz anderen Ort, in einer anderen Umgebung, unter anderen Menschen überhaupt wert?

Manche hoffen auf den Körper verjüngende Gentechnik und Stammzellentherapien. Aber haben wir nicht unsere großartigsten Gefühle in unserer Pubertät erlebt? Stammen nicht unsere intensivsten Erinnerungen aus dieser Phase unseres Lebens, als noch alles möglich schien? Können wir denn im Alter überhaupt noch so umfassend genießen und uns erfreuen, sind wir noch so neugierig und lebendig wie in unserer Jugend?

Ist es nicht manchmal besser, alles hinter sich zu lassen und einen kompletten Neuanfang zu machen? Sind es nicht gerade unsere Erinnerungen, die uns manchmal das Leben schwer machen und uns den Blick verstellen? Eine natürliche Wiedergeburt in einem neuen lernfähigen Körper ohne Erinnerungen an Vorleben scheint da nicht die schlechteste Option zu sein.

Erkenntnis und Wissen

Auf der einen Seite gibt es die Dinge der äußeren Welt. Auf der anderen Seite die Vorstellungen von den Dingen. Beides existiert und stimmt mehr oder weniger miteinander überein. Menschen können die Welt unterschiedlich oder ähnlich wahrnehmen, haben unterschiedliche Vorstellungen.

Die Vorstellung von etwas ist das Ergebnis eines Abgleichs von Eindrücken mit schon vorhandenen Vorstellungen und Wünschen. Sie ist das Resultat einer persönlichen Wertung. Sie ist unvollkommen, unvollständig und womöglich verzerrt und unzutreffend.

Manchmal ist der Wunsch stärker als die Erfahrung. Manchmal ist die Wahrheit nur schwer oder gar nicht zu ertragen.

ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt (Hey, Pippi Langstrumpf)

Zwar gibt es die objektive äußere Welt, jedoch hat jeder Mensch nur einen subjektiven Eindruck, eine subjektive innere Vorstellung davon. Je genauer ein Mensch beobachtet und je unvoreingenommener er wertet, desto genauer stimmen bei ihm äußere Welt und innere Vorstellung überein, was Erfolge wahrscheinlicher macht.

Platon sprach von den Ideen und den nachgeordneten sinnlichen Erscheinungen.

Nach Kant gibt es das Ding an sich und dessen Erscheinung.

Der Mensch kann immer nur seine Vorstellungen ausdrücken und beschreiben, nicht die Welt an sich. Das hat Nietzsche veranlasst, die von Platon postulierten Ideen und die von Kant beschriebenen Dinge an sich für praktisch bedeutungslos zu erklären, denn sie sind nicht greifbar. Für uns Menschen existieren nur die sinnlichen Erscheinungen. Über diese Erscheinungen können wir uns verständigen. Je mehr Menschen in einer Vorstellung übereinstimmen, desto „wahrer“ ist sie.

Information kommt von außen und ist geborgt und ungeprüft, Erfahrung ist selbst erlebt und geprüft, Weisheit kommt von innen und ist ursprünglich.

Macht man sich Informationen durch Überprüfung zu eigen, erwirbt man Wissen. Hinsichtlich seiner Bedeutung für den einzelnen Menschen gibt es vier Qualitäten des Wissens.

  1. Da ist zunächst das sogenannte kulturelle Wissen, das sich ein jeder potentiell erwerben kann, der Zugriff auf die kulturellen Wissensspeicher hat. Dazu zählen die Mitmenschen, die institutionellen Bildungseinrichtungen, die Bibliotheken und das Internet. Kulturelles Wissen ist getrennt von uns und wird erst durch Kenntnisnahme, Erlernen und Verständnis nutzbar. Kulturelles Wissen kann falsch sein. Um sich kulturelles Wissen zu erschließen, bedarf einiger grundlegender Fähigkeiten. Notwendige Voraussetzungen sind, neben den üblichen menschlichen Anlagen, als Kleinkind eine Sprache verstehen und sprechen zu lernen, als Grundschulkind diese Sprache souverän lesen und schreiben zu lernen und auch den sicheren Umgang mit Zahlen eingeübt zu haben.
  2. Die nächste Stufe des Wissens ist das passive Wissen, von dem ein Mensch zwar mal gehört hat, auf das er jedoch schon nach wenigen Tagen nicht mehr willentlich zugreifen kann. Er kann es lediglich wiedererkennen, wenn er darauf stößt. Es ist rein assoziativ. Passives Wissen hat Unterhaltungswert, es erlaubt jedoch keine eigenständige Initiative. Viele schulische Unterrichtsinhalte gehören leider zu dieser Kategorie.
  3. Die nächsthöhere Stufe des Wissens ist das aktive Wissen, es ist per Willensakt aus dem Gedächtnis abrufbar und steht in Nachdenkprozessen zu Verfügung. Aktives Wissen ist von Nutzen, wenn man etwas verstehen, weiterentwickeln, ausarbeiten und planen möchte.  Wurde es gut bedacht, behandelt, erwogen und abgeglichen, steht es für Monate, manchmal für Jahre zur Verfügung, sonst verflüchtigt es sich innerhalb weniger Tage. Bei emotionaler Erregung und im Eifer des Gefechts kommt es, auch wenn es im entspannten Zustand greifbar ist, oft nicht zum Tragen.
  4. Die höchste Stufe und damit das wertvollste Wissen ist das gelebte Wissen, das auch ohne bewussten Willensakt bei allen Handlungen automatisch zur Anwendung kommt, selbst unter Stress.

Ziel sollte es sein, dass die wesentlichen Zusammenhänge gelebtes, integriertes, handlungsbestimmendes Wissen werden. Dies kann nur durch viel Übung erreicht werden. Es ist ein großer Unterschied, ob man über etwas geredet oder etwas gemacht hat. Um etwas wirklich zu können, muss es so lange geübt werden, bis es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Beim Erlernen einer sportlichen Disziplin oder eines Musikinstruments ist dies auch heute noch selbstverständlich.

Lernen bedeutet, Wissen auf eine höhere Stufe zu heben.